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SinnesgartenOrt der RuheGartenhausFrühlingserwachen

Ein neues Berufsbild für Aja's Gartenhaus

Älter werden in Würde und Selbstbestimmung - Aja's Gartenhaus rundet diese Betreuungs-philosophie desHauses Aja Textor-Goethe ab für Menschen, die in ihrer Orientierungsfähigkeit besonders stark eingeschränkt sind. In überschaubaren Wohngruppen leben je 8 insbesondere dementiell erkrankte Menschen in familienähnlichen "Hausgemeinschaften" miteinander.Der intelligente Raumzuschnitt und die durchdachte Gestaltung des Wohnumfelds im großzügigen Gemeinschaftbereich wie auch im angrenzenden "Sinnes-Garten" geben bereits äußerlich viel Halt und Geborgenheit. Entscheidend für das Wohlbefinden der Bewohnerinnen jedoch ist die ständige Präsenz von Menschen, die ihren Lebensalltag wach, einfühlsam und partnerschaftlich gestalten - die "Lebensbegleiterin" bzw. der "Lebensbegleiter".

Die „Lebensbegleiterin“

ist das eigentliche Herzstück jeder Hausgemeinschaft: Sie ist für eine tragfähige Atmosphäre von Sicherheit und Geborgenheit zuständig. Sie sorgt dafür, dass so viel "normaler Alltag" wie möglich stattfinden kann, der den Orientierungsnöten der Bewohner entgegenwirkt. Kleine Pflichten und Freuden so zu tun, wie man sie schon immer getan hat, bietet Halt und Orientierung in einer Welt, die sich immer wieder aufzulösen scheint: Das Brutzeln des Schnitzels zu hören, die Kartoffeln zu schälen, sich an der kleinen Feuerstelle im Garten an das Kartoffelfeuer aus der Kindheit zu erinnern oder sich mit Schraubenzieher und Zange selbst an einer defekten Schublade zu schaffen zu machen - all dies ermöglicht Vertrautheit im Alltag. Oft finden sich die Hände noch viel besser zurecht als der Kopf. Durch das aktive Einbeziehen in sinnvolle Aufgaben, durch Anteilnehmen-lassen oder auch durch gezielte und vielfältige Sinnesanregungen.

In der anregenden und vertrauensbildenden Alltagsgestaltung nimmt die Lebensbegleiterin eine zentrale Rolle ein. Sie hält unauffällig die Fäden in der Hand. Sei es bei der morgendlichen Pflege, dem Zubereiten des Mittagessens oder dem gemeinsamen Lesen in der Zeitung - die Lebensbegleiterin weiß, dass es im Wesentlichen auf das "Wie" ankommt: die Tagesverfassung der Bewohner wahrzunehmen, die feinen Impulse zum Selbermachen abzuwarten, die auf den ersten Blick nicht immer verständlichen Handlungen der Demenzerkrankten in Verbindung mit ihrer Lebensgeschichte zu bringen, kurz: einen unbefangenen "Forscherblick" zu entwickeln, gehört zum Handwerkszeug der Lebensbegleiterin. Sie ist ein hauswirtschaftliches "Allround-Talent", das in eine herzliche Beziehung zu den alten Menschen treten kann und ihnen so Geborgenheit vermittelt. Ein mit Hilfe von Stiftungsmitteln völlig neu entwickeltes Schulungskonzept bereitet sie auf ihr vielfältiges Aufgabengebiet vor.

Wie wird man Lebensbegleiter/in?

Die Betreuung und Begleitung von alten Menschen mit Demenz in kleinen Wohngruppen stellt andere Anforderungen an Mitarbeiter, als sie mit herkömmlichen Ausbildungsgängen in der Pflege oder hauswirtschaftlichen bzw. sozialpädagogischen Berufen abgedeckt werden. Der Fähigkeit, die Beziehung zum Bewohner wertschätzend und authentisch zu gestalten, kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Aber auch die ganz praktische Fähigkeit, einen 8- bis 10-Personen-Haushalt zu "managen", ist nicht unwesentlich...

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in "Aja's Gartenhaus" werden daher im Rahmen eines einjährigen berufsbegleitenden Qualifizierungslehrgangs auf ihre Aufgabe als "Lebensbegleiter/in" vorbereitet. Speziell ausgebildete "Lernbegleiter" sorgen dafür, dass der konkrete Hausgemeinschafts-Alltag immer wieder als fruchbares Lernfeld genutzt werden kann. In ihren Lerngruppen treffen sie sich mit dem Lernbegleiter monatlich zu supervisionsähnlichen Auswertungsgesprächen, in denen Situationen aus der täglichen Arbeit in Lernmomente umgewandelt werden. In dieser Phase werden zusätzlich je nach Bedarf Fachfortbildungen (z.B. Validation, basale Stimulation, gewaltfreie Kommunikation) angeboten.Der Qualifizierungslehrgang ist organisatorisch am hiesigen Fachseminar für Altenpflege angesiedelt und schließt mit einem Zertifikat ab.

Danksagung

Entwicklung und Auswertung des Lehrgangs wurden konzeptionell unterstützt und wissenschaftlich begleitet von dem Münchner Berufsforschungsinstitut 
GAB (Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung) und dem Institut für Alterskultur

Ermöglicht wurden Entwicklung und Erprobung des Lehrgangskonzepts durch Zuwendung von zwei Stiftungen, die gezielt innovative Ansätze in der Begleitung älterer und an "Demenz" erkrankter Menschen fördern: 

Das Lehrgangskonzept konnte mit Unterstützung der Antonie von Siemens-Stiftung erarbeitet werden, die Qualifizierung der ersten Lernbegleiter sowie die Durchführung und Erprobung des Konzepts im Rahmen von zwei Pilotkursen für "Lebensbegleiter/innen" wurden gefördert von deHans und Ilse Breuer Stiftung